stim­men über

„Neben der Bild­haf­tig­keit als auf­fäl­li­ges Moment in den Gedich­ten Axel Gör­lachs ist noch das Melos sei­ner Texte zu nen­nen. Der Autor schreibt zumeist in einem Text­block geglie­derte Gedichte, die mit weni­gen Kom­mata als Struk­tu­rie­rungs­hil­fen aus­kom­men. Ein Gedanke geht naht­los in den nächs­ten über, fast immer muss der Leser bzw. die Lese­rin Zäsu­ren set­zen. Neben dem Enjam­be­ment als Stil­mit­tel bedient Gör­lach sich Alli­te­ra­tio­nen und Asso­nan­zen. („die schwer­mut hier / ist eine leichte dia­gnose die alles / in balance hält auf brü­cken­ge­län­dern / sit­zen kor­mo­rane“, S. 35) So ent­ste­hen stark durch­rhyth­mi­sierte Texte, die den Leser bzw. die Lese­rin auch auf klang­li­cher Ebene einnehmen.“

Aus der Rezen­sion des Gedicht­bands „weil es kei­nen grund gibt für grund“ durch Andreas Hutt, signa­tu­ren-maga­zin Mün­chen, 23.07.2021

(hier die gesamte Rezension)

„Ver­sucht man eine the­ma­ti­sche Linie durch die fünf Abschnitte des Buchs zu legen, so drängt sich der Begriff „Bewusst­sein“ auf. Damit ist weni­ger jene im Buch auch vor­kom­mende Bewusst­heit gemeint, die poli­ti­schen Umstän­den, kli­ma­ti­sche Ver­än­de­run­gen oder Mit­men­schen acht­sam begeg­net und sich ver­hält, son­dern das Bewusst­sein als Funk­tion unse­res Gehirns, das klar ist, manch­mal ver­lo­ren geht, sich ein­trübt durch Sub­stanz­miss­brauch, Medi­ka­mente oder behin­dert wird infolge trau­ma­ti­scher Erfah­run­gen, die als Flash­backs hochdrängen.“

Aus der Bespre­chung des Gedicht­bands „weil es kei­nen grund gibt für grund“ durch Monika Vasik, poe­sie­ga­le­rie Wien, 10.05.2021

(hier die gesamte Rezension)

„Stets fin­den wir bei Gör­lach enge Zusam­men­hänge und Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen dem, was die Spra­che tut, und dem, wovon sie erzählt. […] Ihre Ent­spre­chung fin­den Gör­lachs Gedichte in sei­nen unauf­dring­lich viel­schich­ti­gen Foto­gra­fien, von denen einige in die­sen Band auf­ge­nom­men sind. Auch sie ver­deut­li­chen, dass uns Momente des Poe­ti­schen in ganz unter­schied­li­cher Gestalt und an unver­hoff­ter Stelle begeg­nen und dass es des sen­si­blen Blicks, aber auch des gekonn­ten Hand­werks und der Wil­lens­ent­schei­dung eines Aus­lö­se­mo­ments bedarf, um sie fest­zu­hal­ten. Denn die Räume, die uns umge­ben und uns gege­ben sind, erwei­sen sich bei Gör­lach in schö­ner Para­do­xie als »räume, die sich öff­nen, je näher wir uns entfernen«.“

Aus dem Nach­wort von Hel­wig Brun­ner im Gedicht­band „weil es kei­nen grund gibt für grund“, Edi­tion Kei­per, Graz 2021

Zeit­ge­nös­si­sche Lyrik, die den Blick auf unser Dasein schärft, über­zeugt, so, wie der Autor schreibt, sinn­lich schwe­bend zwi­schen Kon­sis­tenz und Wider­spruch, Aus­spa­rung und Nach­drück­lich­keit, laut­ma­le­ri­scher Kon­vul­sion und Zurück­nahme. „Man kann nicht über das Was­ser gehen“, lesen wir. Wir mei­nen: doch, und ver­lei­hen Axel Gör­lach den ers­ten Preis für die Strahl­kraft und den Sog, den seine uner­hört ein­dring­li­che Poe­sie auszeichnet.“

Mar­ga­rita Fuchs für die Jury des eros­t­epost-Lite­ra­tur­prei­ses 2020, eros­t­epost Nr. 60, Salz­burg 2020 

„Track für Track lösen sich unter tek­to­ni­scher Span­nung die Kon­ti­nente von der Insel des Ursprungs. Doch wäh­rend sich einer­seits das Wer­den auf Bio­gra­fien und die Welt­ge­schichte abbil­det, sieht poe­ti­sches Bewusst­sein aus wach­sen­der kri­ti­scher Distanz immer deut­li­cher in allem das Eine, die mythi­sche Welt. […] Ob der Leser oder Hörer die War­nung vor der ein­sa­men Welt­erkun­dung erkennt, ist die offene Frage, die die­ses Kon­zept­al­bum auszeichnet.”

Michael Lösel für die Jury des Poe­ten-Wett­be­werbs des Peg­ne­si­schen Blu­men­or­dens über den Zyklus „rodi­nia“, Blatt­werk #2,
Nürn­berg 2019

Axel Gör­lach […] ist seit län­ge­rem eine deut­lich ver­nehm­bare Stimme in der deut­schen Gegen­warts­ly­rik. Mit zahl­rei­chen wich­ti­gen Prei­sen aus­ge­zeich­net (u.a. Wie­ner Werk­statt­preis 2008, Preis beim Irseer Pega­sus 2010, 1. Preis beim Feld­kir­cher Lyrik­preis) gehört der Autor zweier Lyrik­bände, „leben gezeich­net“ (2009) und „licht­still“ (2015), sowie einer gro­ßen Anzahl von Ver­öf­fent­li­chun­gen in Zeit­schrif­ten und Antho­lo­gien zu den bedeu­ten­den Grö­ßen der zeit­ge­nös­si­schen Poesie.“

Salon Fluch­ten­tier in der Ankün­di­gung: Lyrik an der Theke – Werk­statt­ge­sprä­che, Frank­furt am Main, 22.06.2018

„Axel Gör­lachs Texte legen Gedächt­nis­spu­ren. Aus Ihnen wächst ein Ein­druck,  der den Leser durch das Motiv  „Jemand ande­res dachte an ihn wie nichts“ beglei­tet und ihn teil­ha­ben lässt an ele­men­tar Erleb­tem. Seine Gedichte sind nicht abs­trakt, sind flie­ßend mit kon­kre­ten Bezü­gen zur Stadt Istan­bul. Man nimmt das Wis­sen um eine Stadt auf,  sze­ni­sche Bil­der, die  mit den typi­schen Merk­ma­len die­ser Stadt spie­len und  die sich doch in jeder ande­ren Stadt ähn­lich ereig­nen könn­ten. Gör­lach schafft auf engem Raum ein Bild, das sich nicht in Kli­schees ver­liert und doch,  oder viel­leicht bes­ser trotz­dem, mit den typi­schen Merk­ma­len Istan­buls wie Kat­zen, Fische, Wäsche­lei­nen, Märk­ten, Stof­fen, Tep­pi­chen inter­agiert. Tou­ris­ti­sche Wahr­neh­mung wird zur Innen­an­sicht, Stadt­im­pres­sio­nen tra­gen wie Kat­zen ihr Ske­lett auf der Haut. Gedächt­nis­spu­ren flie­ßen wie Schat­ten die Fas­sa­den ent­lang. Gör­lachs Gedichte evo­zie­ren ein  Bild, das sich, nach Aris­to­te­les, wie ein Sie­gel­ring in Wachs drückt und las­sen ein dunk­les Leuch­ten zurück.“

Juli­etta Fix für die Jury des Feld­kir­cher Lyrik­prei­ses 2014

dazu: Zwei Live­mit­schnitte der Preis­ver­lei­hung (Lau­da­tio und Gedicht­vor­trag) im „lite­ra­tur­ra­dio“ (vom Ver­ein Lite­ra­tur Vor­al­berg geför­derte Platt­form für Hörtexte)

„Axel Gör­lach lässt uns ein­tau­chen in eine Land­schaft, klar und scharf gezeich­net und doch trü­ge­risch, mit unsi­che­rem Grund, im Zwie­licht. Das Erle­ben des lyri­schen Ich führt unmit­tel­bar zur über­tra­ge­nen Ebene, den Asso­zia­tio­nen, wie dem Flü­gel, der die glatte Ober­flä­che eines Sees schnei­det und zur Klinge wird. Indem sie an die Kehle fährt, ist auch ein Sprach­ver­lust mit ange­spro­chen, der spä­ter durch den Ver­lust der Bil­der auf­ge­grif­fen und wei­ter­ge­spon­nen wird. […] Am Ende ver­schwin­den die Bil­der, die Land­schaft, es bleibt das Rau­schen. Die Aus­sage über das zuletzt Ver­läss­li­che „stein und herz­schlag“ und den Schluss­ge­dan­ken „keine beweise, dass wir waren was wir nicht mehr sind“, hin­ter­lässt einen Nach­klang und wirft den Leser auch auf sich selbst zurück.“

Aus der Jury­be­grün­dung zu dem im Wett­be­werb aus­ge­zeich­ne­ten Gedicht „blind­see nebel . kata­rakte“, Blaues Blatt #4, 2013

„Beglei­ten Sie Axel Gör­lach auf eine Zug­reise über den Bal­kan. Gör­lach nimmt den Rhyth­mus der Räder in seine Verse auf und lässt den Zuhö­rer teil­ha­ben an dem traum­haf­ten Zustand zwi­schen Wachen und Schla­fen. Land­schaf­ten und Men­schen tau­chen auf, ver­wan­deln sich und ver­schwin­den. Ins­ge­samt neun­mal heben die Gesänge an. Immer krei­sen die Worte um das Fremde, das fas­zi­niert, zugleich gefähr­lich ist und am Ende rät­sel­haft bleibt: etwas sitzt mit im abteil. es ist unaus­sprech­bar. zer­trüm­mert den mond mei­ßelt ein sil­ber­nes loch in den glä­ser­nen him­mel das sich rot färbt wie ein bren­nen­des auge.“

Über den Zyklus „die gesänge der züge“, Bro­schüre zum Lite­ra­tur­fest WORTWÄRTS 5, 2010, Kuno-Lite­ra­tur­zen­trum Nord, Nürnberg